Der Kommissar - Tod einer Zeugin (Folge 16 / EA: 06.02.1970)

 

Unter Fans genießt Tod einer Zeugin einen ganz besonderen Ruf innerhalb der Serie - handelt es sich doch um die mit Abstand surrealste Folge, die hier jemals gekurbelt wurde. Regisseur Zbynek Brynych fährt hier vollends die psychetronische Abgefahrenheitskiste und deklariert den eigentlichen Kriminalfall zum Nebenschauplatz, präsentiert stattdessen ein sattsam arrangiertes Durcheinander von Typen der skurrilsten Preisklasse, lässt die Ermittlerschar Irrsinnigkeiten ablassen und jede Menge absurder Handlungen durchführen.

 

Das Poliziantenquartett ist diesmal wieder komplett und neben dem Kommissar ist es diesmal Günter Schramm der ordentlich loslegen darf - Lachanfälle und "Scheiße!!!"-schreien inklusive.Die ungleichen Karass-Brüder werden gegeben von einem völlig durchgedrehten, aber immens unterhaltam aufspielenden Götz George und seinem stumpfsinnigen Counterpart Klaus Dahlen, des Weiteren der unvergleichliche Werner Bruhns als an den Rollstuhl gefesselter Mordzeuge. Kurz aber köstlich sind die Appearences von Klick-Entdeckung Renate Roland und Boulevard-Star Wolfgang Spier, ein Kabinettstückchen sondershausen ist der Auftritt des tschechischen Shakespear-Darstellers Joseph Vinklar als dick bebrillter und gebrochenst Deutsch sprechendem Hausmeister Seuke - das ist so abgefahren, einfach nur genial.

 

Auch sonst dreht man hier völlig frei: das Drehbuch von Reinecker dürfte nicht mehr als eine halbe DIN-A4-Seite betragen haben hat zudem Anschlussfehler und Logiklöcher im Schweizer-Käse-Format, aber was soll's - Brynych macht daraus das Bestmögliche, indem er vollends Stil fährt. Die Kamera führt zum wiederholten Male Manfred Ensinger und dreht ebenfalls forsch auf, die Musik stellt diesmal einzig und allein das berühmte Stück 'A Banda' in der Aufnahme von Herb Alpert & The Tijuana Brass - und der Track wird derart oft genudelt, dass man entweder irgendwann lachend auf dem Boden liegt oder in den Fernseher schlägt. Das gleiche Prozedere hat Brynych mit Tom Jones' 'Ghost Riders In The Sky' bei Parkplatzhyänen später noch mal abgezogen.

 

Insgesamt sprengt Tod einer Zeugin jeglichen Rahmen, in dem sich Der Kommissar ansonsten bewegt. Man kann die Inszenierungen Brynychs nur lieben oder hassen - ich gehöre zu Ersteren und stehe dazu. 9 von 10 Punkten ohne Nachdenken ... und ab geht's mit Volldampf in den Zbynek-Irrsinn; frohes Fest, meine Damen und Herren.

 

Eine der abgerocktesten Nummern, die jemals beim Kommissar präsentiert wurden - die Sache mit dem Drehstuhl, einer auf die Dauer nervtötenden Melodie und einem ausgeflippten Tschechen auf dem Regiestuhl: http://www.youtube.comwatch?v=cJPnBOcWzCE

 

... und wem das nicht reicht, schaue sich die komplette Folge an: http://www.youtube.com/watch?v=7YqLf53tyHE

 

20.8.10 09:26

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