Der Kommissar - Das Ungeheuer (Folge 14 / EA: 19.12.1969)

 

Dietrich Haugk als Regisseur ist bei den mir bekannten Derrick- und Kommissar-Elaboraten im Grunde immer eine Bank - die Beiträge haben eine stringente Handlung, viel Lokalkolorit und teilweise wirklich sehr schön getimten und improvisierten Witz - absolute Sahnstreicher ist da wohl die Derrick-Folgen Tod der Kolibris und Der Mann aus Portofino. Natürlich hat auch Haugk mal eine Graupe dabei, sein Kommissar-Einstand Schrei vor dem Fenster ist schon ein rechter Schnarchzapfen, aber hier nun nach dem vermurksten Einstand sein zweiter Kommissar - und bei Das Ungeheuer macht man alles richtig.

 

Das Ermittlerquartett ist diesmal nur ein Trio, da der Wepper Fritz sich gerade in Hamburg befand um unter der Regie von Rolf 'Trashking' Olsen seinen letzten St. Pauli-Kracher Auf der Reeperbahn nachts um halb eins zu drehen. Somit drechseln der Kommissar und seine beiden Assistenten die Sache hier im Alleingang und mit wie immer gelungenen Dialogen und Lösungsansätzen. Die Verdächtigenschar präsentiert mal wieder viele bekannte und talentierte Gesichter: der omnitalentierte Volker Lechtenbrink ist dabei, der auf die gebrochenen Charaktere Paul Edwin Roth ebenso, Inge Langen spielt auf, der unterschätzte Manfred Seipold (der ein Jahr später in Alfred Weidenmanns Unter den Dächern von St. Pauli endlich mal eine Hauptrolle abbekam) ist zugegen, Hannelore Elsner gibt es als zuckersüßen Aufputz mit Hintergrund obendrein. Sehr schön ist das Mutter-Bruder-Bruder-Trio aus Camilla Spira, Rainer Basedow und Manfred Spies, die allesamt locker vom Hocker auftrumpfen, sehr gut auch Klaus Höhne als listiger Durchschnittsnachbar.

 

Das Buch von Herbert Reinecker gibt sich trotz einiger Logikpatzer solide, die Regie führt natürlich neben dem eigentlichen Kriminalfall auch eine gehörige Portion Lokalkolorit aus einem nicht näher benannten, jedoch ausserordentlich typischen münchener Vorort auf, das sehr zu gefallen weiß. Die Kamera schwenkt diesmal nicht Rolf Kästel sondern Manfred Ensinger, der in Zukunft noch Einiges für die Serie leisten sollte und teilweise auf Lederle'schen Pfaden wandelt - sehr gelungen.

 

Wieder einmal als Krönung setzt es einen tolle (und leider unveröffentlichten) Soundtrack vom Erfinder des Crimegrooves, Peter Thomas himself. Wilde Bläsersätze, funkige Rhythmusgruppe und alles mit Schisslaweng serviert - was kann da schief gehen. Die Eindrücklichkeit der Episode wird durch das weglassen der charakteristischen Schlussmusik noch verstärkt, da so der dokumentarische Moment noch stärker rauskommt.

 

Der zweite Haugk beim Kommissar ist ein gelungener Kracher, der ohne Zögern 8 von 10 Punkten abräumt und sehr gut unterhält.

 

... obligat: http://www.kommissar-keller.de/Folge_12/12.htm

 

20.8.10 09:26

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