Der Gorilla von Soho (EA: 27.09.1968)

 

Der 27. Film der Rialto-Reihe nach Edgar Wallace - DIE Trashgranate der Serie überhaupt. Der Gorilla von Soho ist 1968 bereits der fünfte Wallace-Krimi, den Regisseur Alfred Vohrer für Hotte Wendlandt hintereinander weg dreht. Hatten die Vorgänger zwar einen vereinzelten Hang zur Selbstironie (Der Hund von Blackwood Castle) und dem gepflegten Trash (Im Banne des Unheimlichen) - jedoch immer als Dreingabe zu einer in sich stimmigen und ernsten Krimihandlung (Der Mönch mit der Peitsche), so ist Der Gorilla von Soho im Grunde die Parodie auf die Wallace-Filme innerhalb der laufenden Serie; quasi Der Wixxer - nur besser und 30 Jahre früher.

 

Die Darsteller sind gut aufgelegt, allen voran Horst Tappert als neue Chefinspektor, der siegessicher und Knüppel schwingend durch den Film hottet und dem richtig anzusehen ist, dass er den leicht überheblichen und befehlsführenden Perkins mit Laune spielt. Desgleichen Uwe Friedrichsen, damals als Assi bei John Klings Abenteuer landbekannt, spielt den Sergeant mit Verve und guter Mimik, ebenso Uschi Glas, die sich nach ihrem Erfolg mit Zur Sache, Schätzchen in ihr Rollenklischee des beschützenswerten Mädchen fügt - solide. 'Alte Hasen und Häsinnen' wie Albert Lieven, Inge Langen, Hilde Sessak und Claus Holm leisten ihre Parts routiniert ab und geben keinen Anlaß zur Kritik, Beate Hasenau und Ralf Schermuly erwischen als Gangsterpärchen beide das pappige Ende der Salzstange. Herbert Fux, eines der größten Galgengesichter welches der Euro-Film jener Zeit hervorgebracht hat, kann zum wiederholten Male ein herrliche Charge darstellen, desgleichen Ilse Pagé als die Sekretärin des Scotland-Yard-Chefs. Eben dieser wird gespielt von Hubert 'Hubsi' von Meyerinck - und der kalauert und schnoddert derartig durch diese Lustgreis-Rolle, dass es fast die Leinwand sprengt. Nebenbei offeriert der Film auch noch die ersten Leinwandsekunden des nachmaligen Erotikstars Ingrid Steeger und prunkt durch Heidrun Hankammer und Ingrid Back in Nebenrollen mit putzigem, weiblichem Beiwerk.

 

Das Drehbuch, welches aus der Feder von Freddy Gregor stammt (ein Pseudonym für Alfred 'Freddy Vohrer und Horst Otto 'Gregor' Wendlandt), bedient sich sowohl in Aktionen als auch in Dialogen reichlich bei Vohrers Wallace-Erstling Die toten Augen von London und modelliert lediglich einiges dem Zeitgeschmack von '68 um - inkl. Gorilla (dessen Kostüm zugegebenermaßen recht lebensnah aussieht), Stripclub usw. Freddy Vohrer inszeniert das ganze Spektakel mit krassem Gegensatz zwischen ernstem Krimi und hemmungsloser Farce, taucht alles in die schrillsten Farben um zu zeigen, dass ein Farbfilm nicht zu Unrecht so heißt und fetzt die ganze Inszenierung mit schnellen Dialogen, krautigen Ideen und schwerem Trash- und Sleazeoverkill. 

 

Sein Stammkameramann Karl Löb versteht des Regisseurs Intention und kurbelt bei diesem, mit Ausnahme einiger Aussenaufnahmen in London, komplett in West-Berlin gedrehten Streifen forsch drauflos, desgleichen Peter Thomas, der mit seinem Score zu Der Gorilla von Soho ebenfalls seinen Trash-Zenit in der Wallace-Zeit erreicht. Dissonante Bläsersätze, Chinagong, fetter Bass und noch fettere Drums - all das präsentiert vom Meister des Groove-Jazz: Peter Thomas. Ihm assistieren dabei Mannen wie Olaf Kübler (Saxophon), Lothar Meid (Bass), Wolfgang Paap (Drums) und Siegfried Schwab (Gitarre), somit also die Cremé de la Creme damaliger Studioproduktionen. Die brechernde Titelmusik, ein Meisterstück in Thomas' Karriere, ist gottlob auf CD raus, gleiches gilt für das symphatische Liebesthema 'Susan and Jim' welches Thomas schon auf Die vollkommene Ehe-Niveau zeigt. Ein perfekter Score für diesen Freakfilm.

 

Was Alfred Vohrer hier abfeiert, ist schon genial: ein als zotelliges Gorilla-Untier umhergehender Mordgeselle, ein kreuzdebiler Lustgreis als Scotland-Yard-Chef, eine große Extraportion Trash der gehobenen Preisklasse - und zu all dem knattert Peter Thomas' fetziger Powerhouse-Groove-Score bis der Morgen graut; unter'm Strich: volle Punktzahl. Es darf gefeiert werden.

 

Der Trailer verrät schon einiges von dem, was hier abgeht: http://www.youtube.com/watch?v=LLR9MH81YU4

 

... und der Pre-Title sowie die fetzige Thomas-Titelmusik machen dann endgültig alles klar: http://www.youtube.com/watch?v=jomvH8tlMgE

 

16.8.10 10:21

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