Anatomie 2 (EA: 06.02.2003)

 

Kommt zwar demnächst wieder Live auf VOX, aber bevor ich mir noch was mal mit Werbung antue - ne, lass ma! Dann doch lieber so. War Anatomie von 1999 noch eine ziemlich exakte 1:1-Adaption amerikanischer Slasher auf heidelbergerschem Campusfield mit einer superben Franka Potente als süßer Screamqueen, so geht Anatomie 2 bewusst andere Pfade. Am Berliner Benjamin-Franklin-Klinikum, dass seine besten Zeiten á la Dr. med Fabian hier auch lange hinter sich hat, operiert eine neue Loge um den ehrbaren Professor Müller-LaRousse (what a name) - ihm zur Seite blutjunge und psychotronisch partiell reichlich derangierte AiP'ler, die zur Erschaffung der neuen 'Herrenrasse' (sic!) ihren Hypokratischen ins Scheißtuch packen und der Totenscheindruckerei volle Auftragsbücher bescheren.

 

Die Geschichte um synthetische Muskeln ist mittlerweile von der Utopie zur Realität geworden, aber Stefan Ruzowitzky - der hier nicht nur Drehbuch und Regie in Personalunion verantwortet sondern inzwischen für Die Fälscher auch einen Oscar auf dem heimischen Vertiko platzieren durfte - mixt hier allerlei Chargerei, Medizinkrimskrams und Actionbeiwerk zusammen und inszeniert das Ganze als saubere Tour de Medicine mit Horrorelementen mit Videocliplook, vereinzelter Psychoanalyse und aufgesetztem Schmelz.

 

Die Charakterzeichnungen sind zwar insgesamt nicht schlecht, aber wirkliche Überraschungen sollte man nicht erwarten - dass das nicht vollends als bekanntes B-Movie endet liegt an den Darstellern, die zum Besten gehören, was das deutsche U30-Kino damals zu bieten hatte. Barnaby Metschurat, mittlerweile durch KDD auch arriviert, liefert hier großes Tennis und fährt die Sache im Alleingang, flankiert von Standards wie Heike Makatsch und dem leider kürzlich verstorbenen Frank Giering. Großes Kino auch durch Roman Knizka und Wotan Wilke Möhring, Gastauftritte liefern die starken Jungstars August Diehl und Franka Potente. Die Altherren- und Damenfraktion wird gegeben durch den beizeiten dann doch etwas chargierenden Herbert Knaup sowie die ehemalige Fassbinder-Aktrice Rosel Zech.

 

Die Kamera, mit reichlich amerikanischem Zuschnitt, bedient Andreas Berger, der sich mit Was tun, wenn's brennt für Höheres empfohlen hatte, die äußerst passechte und fesche, beizeiten unüberhörbar Elfman-eske Musik, stammt wie schon bei Anatomie von Marius Ruhland, Standardkomponist von Ruzowitzky und auch beim schon erwähnten Die Fälscher dabei.

 

Insgesamt ist Anatomie 2 ein durchaus solides Horrorunterfangen aus deutschen Landen, keine Neuerfindung des Rades zwar (wer wollte auch ständig ein Rad neu erfinden), aber für teutonische Verhältnisse gar nicht übel. 6 von 10 ziehe ich bedenkenlos, an guten Tagen lasse ich mich aber gerne zu 6 1/2 bis 7 Packs hinreißen. "Herr Doktor, der Nächste bitte...!!!". Fröhliches Praktizieren, allerseits!

 

Der deutsche Trailer, in der Natur der Sache etwas sehr reißerisch aufgemacht: http://www.youtube.com/watch?v=MFSuzuIn-X0

 

3.8.10 07:42

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen