Die Pagode zum fünften Schrecken (EA: 04.08.1967)

 

Zum Wochenende mal wieder eine Neusichtung, nämlich den hierzulande als Edgar-Wallace-Film verbratenen Abenteuerstreifen Five Golden Dragons, wie dieser Film im Original hieß - die deutsche Titelgebung ist zwar grammatikalisch auf dünnem Eis, aber was soll's. Was darf man hier erwarten: eine leidlich spannende, zwar nicht sehr innovative aber dennoch erheiternde Story, mit dem Hongkong der Mitsechziger eine absolute Traumkulisse, recht einfältige Kostüm- und Storyideen, einen gelungene Soundtrack und jede Menge unterforderter und reichlich chargierende Darsteller und Aushilfsschauspieler.

 

Die Hauptrolle spielt der Amerikaner Robert Commings, der seine besten Hitchcock-Zeiten hier schon weit hinter sich hatte und als ständig Chewing-Gum-kauender Vorzeigeami auf die Dauer auch etwas nervt - diese Mischung aus George Nader und Robert Culp, die er hier zur Schau trägt, ist nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Rupert 'Maigret' Davies spielt seinen Part solide, ohne jedoch seinen üblichen Verve einbauen zu können (da gefiel er mir bei Das Geheimnis der gelben Mönche / Wie tötet man eine Dame doch deutlich besser). Zwei Sicherheitsposten, die noch jede Stumpenrolle aufwerten und allein durch ihre Präsens die Sache retten, sind wieder einmal unser Kinski Klaus (als kettenrauchendes Killerkommando in Personalunion und mit dem Abbonement auf die stets volle Schachtel) und Sieghardt Rupp als hardboiled Drachengangster mit Hang zum Establishment. Weiblicherseits gibt's hier keine schauspielerischen Überraschungen, allerdings befinden sich die 3 Hauptprotagonistinnen Maria Perschy, Maria Rohm und Margaret Lee hier aussehenstechnisch im Zenit ihrer Karrieren und das reicht dann dem Filmfan auch all'weil. Als Gaststars für die 4 Drachen versammelt sich Horrorpräsens das amerikanischen und britischen Films in Gestalt von Brian Donlevy, Dan Duryea, George Raft und 'Fu Man Chu' Christopher Lee.

 

Das Drehbuch schrieb wieder einmal der legendäre Harry Alan Tower unter seinem Pseudonym Peter Welbeck, Regie führte mit Jeremy Summers (den die deutsche Fassung auf Grund vertraglicher Gründe als Joachim Linden ausweist) ein Routinier, der später für Towers auch noch Die Rache des Dr. Fu Man Chu  inszenierte und sich neben Kinofilmen wie Diana - Tochter der Wildnis fürderhin auf TV-Projekte wie S.O.S. - Charterboot!, Randall & Hopkirk oder Jason King konzentrierte. Die Kamera führt Towers' Stammkurbler John von Kotze, der schon Das Rätsel des silbernen Dreiecks filmen durfte, den Schnitt besorgte Donald J. Cohen. Die deutsche Constantin-Film, die den Film bei uns verlieh, schnitt den Film, der im Original weitaus ironischer gedacht war, kräftig um - Waldtraut Lindenau übernahm diese Aufgabe. Die Musik stammt vom verlässlichen Malcolm Lockyer, im Gestus des Krimisektors wohl Tower's bester Tonsetzer der 60er neben Johnny Douglas. Im Stil von Les Baxter vermixt mit reichlich Witz liefert er einen schönen Score, der in der deutschen Fassung noch mit zusätzlichem Material aus dem Archiv von SMV 'aufgestockt' wurde - u.a. sind hier Peter Thomas (aus Die Gruft mit dem Rätselschloss und Neues von Hexer) und Martin Böttcher (aus Das Ungeheuer von London-City) zu hören. 

 

Die Synchro gibt sich grundsolide, offeriert mit Holger Hagen einen meiner Lieblingssprecher und setzt mit Werner Uschkurat, Herbert Weicker und Niels Clausnitzer ebenfalls auf bewährte Stimmen - Maria Perschy spricht sich im Übrigen als einzige deutschsprachige Akteurin auch in der deutschen Fassung selbst.

 

Unterm Strich ist Die Pagode zum fünften Schrecken zwar für mich unterhaltsamer als etwa die Sanders-Filme, aber schlechter als Towers beste Abenteuerproduktionen wie Das Geheimnis der blauen Berge oder In Beirut sind die Nächte lang - die Rapid-Produktionen seh' ich ohnehin noch lieber. Unterhaltsam und kurzweilig ja, ein Kandidat für häufiges Wiedersehen ist er aber nicht - 6 von 10 Punkten unter'm Strich. 

 

Wenigstens liefert der Film einen raren Gesangsauftritt der göttlichen Margaret Lee, die den Song "Five Golden Dragons" zu Gehör bringt: http://www.youtube.com/watch?v=DqEx51zb4yU.

 

2.8.10 08:00

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen