Im Kittchen ist kein Zimmer frei (EA: 21.08.1959)

 

Frankreich-Wochen! Nach I... wie Ikarus mit Im Kittchen ist kein Zimmer frei gleich noch einen Film aus dem Land des Baguette nachgeschoben. Unter der sicheren Regie Gilles Grangiers spielt der französische Ausnahmeakteur Jean Gabin die Hauptrolle von Archimède, le clochard (so der Originaltitel des Filmes), für den es nur zwei Möglichkeiten gibt, dem rauen Winter in Paris zu entfliehen: entweder Kittchen oder Riviera. Doch sowohl das eine als auch das andere zu erreichen, gestaltet sich schwieriger als gedacht.

 

Gilles Grangier gehörte damals zu den bevorzugten Gabin-Kollaborateuren im Regiebereich - eine lange Liste von Filmen zeugt davon: La vierge du Rhin, Gas-Oil, Vulkan im Blut, Die Nacht bricht an, Der Himmel ist schon ausverkauft, Der Herr mit den Millionen, Ein Herr aus besten Kreisen und Kommissar Maigret sieht rot!. Ebenfalls notierenswert: mit Tatort Paris verfertigte er einen der ersten Erfolge des damals noch jungen Lino Ventura. Auch Im Kittchen ist kein Zimmer frei manifestierte Grangiers Ruf als Meister auf dem Gebiet, eine dramaturgisch ausgearbeitete Handlung mit feiner Milieuschilderung inszenatorisch verbinden zu können. Die Schilderung des Milieus zwischen Clochards und Großmarkt, engen Gassen und mondänen Großstadtvierteln ist wunderbar gelungen, die Handlung um den gebildeten und erfindungsreichen Archimedes ist stimmungsvoll inszeniert.

 

Jean Gabin ist diese Rolle natürlich auf den Leib geschneidert - verstärkt dadurch, dass die Idee zum Film unter seinem Geburtsnamen Jean Moncorgé von ihm selbst kam. Er spielt den Archimedes mit viel Verve, hintergründigem Witz und naturgegebener Souveränität - ein weiteres Meisterstück in seiner langen Karriere. Alle übrigen Darsteller agieren in ihren Parts mit gekonntem Witz, besonders stechen Darry Cowl, Bernard Blier, Paul Frankeur und Dora Doll aus dem Ensemble heraus.

 

Unterstützt durch die Dialoge von Michel Audiard, einem der über Jahrzehnte besten Dialogschreiber des französischen Kinos, und die syphatische Synchronisation, die neben Gabins Stammsprecher Klaus W. Krause mit Sprechern wie Harry Wüstenhagen punktet, ergibt sich ein hochunterhaltsames Werk, das durch einen stimmungsvollen Score von Altmeister Jean Prodromides, der gleich zwei geschickt komponierte Hauptthemen bereithält und der mit Gabin bereits für Ein Herr ohne Kleingeld und Maigret kennt kein Erbarmen zusammengearbeitet hat, abgerundet wird - leider ist eine Veröffentlichung des Soundtracks nie erfolgt.

 

Was der wundervolle Blüten, Gauner und die Nacht von Nizza für die Gabin-Filmographie der 60er Jahre bedeutet, ist Im Kittchen ist kein Zimmer frei für die 50er - ein sehr atmosphärisches, komödiantisch hervorragend ausbalanciertes Stück französisches Kino, was es so heute nicht mal mehr ansatzweise gibt. Selbst der Film-Dienst kannte kein Halten und lobte den Film als "Humorvolle Unterhaltung, in der Jean Gabin sein Original äußerst vital und von gallisch-geistvollem Sarkasmus geprägt anlegt; nicht nur durch die Schauspielkunst überzeugend", für die es anno 1959 bei der Berlinale sogar einen silbernen Bären gab. Daher erinnerungswürdige Unterhaltung für Filmfreunde mit Stilempfinden.

 

Eine der vielen schönen Szenen, die dieser Film bereithält: http://www.youtube.com/watch?v=s3v3J8fvnzs

 

19.7.10 09:42

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