Tatort - Das schwarze Grab (Nr. 704 / EA: 14.09.2008)

 

Zufällig reingerasselt; und da ich das Ermittlerduo des Saarländischen Rundfunks (SR) ja ins Herz geschlossen habe, sogar hängen geblieben. Während der televisionären Sommerpause verbrät die ARD ja gerne mal nicht ganz acceule Folgen des Dauerbrenners Tatort auf dem angestammten Sonntagabend-Sendeplatz - so auch heute. Das schwarze Grab, der numerisch 704. Tatort, wurde 2008 als dritter Fall des nach dem Abgang von Jochen 'Palú' Senf neu formierten, ungleichen Ermittlerduos um die beiden Saarbrücker Hauptkommissare Kappl und Deininger gedreht. Diesmal geht's in die Tiefe, denn im Umfeld der Schließung des letzten Traditionsbergbaus für Kohle stapeln sich die Leichen - und während Kappl im Zuge seiner Ermittlungen unter Tage samt der Festgesellschaft verschüttet wird, muss Deininger übertage dem Mörder einer Bergmannsfrau ins Getreide fahren.

 

Wie immer läuft beim Tatort zuzüglich der eigentlichen Ermittlungsarbeit immer noch eine gehörige Portion Lokalkolorit und Milieustudie nebenher. So wird hier die Problematik der Bergarbeiter, die nach Schließung ihres Tagebaues vor den Scherben ihrer Existenz stehen, eindringlich herausgearbeitet. Regisseur Gregor Schnitzler gibt hier sein Tatort-Debut, ist aber durch Filme wie Die Wolke oder Was tun, wenn's brennt sowie Serienarbeiten zu Im Namen des Gesetzes, Balko oder Doppelter Einsatz längst kein Unbekannter mehr - insgesamt liefert ein rundes Elaborat ab, der für meinen Geschmack zwar die Stimmung der beiden SR-Vorgänger nicht ganz erreicht, dafür aber speziell unter Tage eine dichte und klaustrophobische Atmosphäre schaffen kann. Das Drehbuch von Martin Conrath & Thomas Kirchner gibt sich zwar recht durchschaubar und trägt manchmal etwas dick auf, kann aber in den Charakterzeichnungen Boden gut machen. 

 

Eindeutig zum Gelingen tragen natürlich die beiden Hauptprotagonisten Maximilian Brückner und Gregor Weber bei, die ihre unterschiedlichen Charaktere sehr überzeugend spielen und sich gegenseitig harmonisch ergänzen - für mich eins der goutierbarsten Tatort-Gespanne derzeit. Ergänzt durch 'Madame Maigret' Alice Hoffmann (mit ihr und Weber sind sogar zweidrittel des Familie Heinz Becker-Teams auch beim Tatort wieder vereint), Gerichtsmediziner Hartmut Volle und die wunderhübsche Obduktientin Lale Yavas ergibt sich ein tolles Poliziantenteam aus dem Saarland - inklusive Dialekt(en).

 

Die Musik zum Film, der zwischenzeitlich unter den Arbeitstiteln Fünf Tage Angst und Schwarzes Grab lief, stammt von Manu Kurz, bereits dritter Tatort-Einsatz hier ist und sonst durch Beiträge zu Unter Verdacht aufgefallen, und offeriert neben vielen Streichern eine gehöre Portion fettem Schlagwerk sowie partiellem Lyrikpiano für die dramatischen Momente.

 

Insgesamt ein sehr solider und handwerklich gut gefertigter SR-Tatort mit symphatischen Darstellern, die über vereinzelte Drehbuchpatzer hinwegtäuscht und gut unterhält. MORD... gleich nach der Tagesschau!

 

Der Trailer in der Mediathek der ARD: http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/4937894?categoryId=&goto=&moduleId=602916&pageId=&show=

 

19.7.10 07:45

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