I... wie Ikarus (EA: 25.04.1980)

 

Politthriller gibt's wie Sand am Meer - gute Politthriller hingegen sind rar ... und gerade deshalb sticht ein Film wie der 1979 gedrehte I... wie Ikarus auch so aus dem Gros dieses Genres heraus. Eigentlich verwundert es nicht, dass ausgerechnet die Franzosen mal wieder das beste Händchen dafür haben - sind sie mir doch mit ähnlich gelagerten Filmen wie den beiden Lautner-Sprengern Der Fall Serrano oder Der Profi doch diesbezüglich schon mehr als einmal aufgefallen und sehr ans Herz gewachsen. In I.. comme Icare, wie der Film in seinem Ursprungsland hieß, bereitet der ohnehin viel zu unterschätzte Henri Verneuil ein ruhig erzähltes, fachlich fundiertes und dennoch mordsspannendes Thrillergewebe auf, dass es in sich hat.

 

In einem fiktiven Staat, der vordergründig amerikanisch entlehnt jedoch überall auf der Welt spielen kann, wird ein frisch wiedergewählter Präsident publikumswirksam abgemurkst, die Untersuchungskommission ist sich eines schnell gefundenen, noch dazu bereits verblichenen Einzeltäters sicher - nur Generalstaatsanwalt Henri Volney, ein kühl analysierender Taktiker vor dem Herrn, sieht die Sache anders: er geht von einer lang und breit geplanten Aktion aus den Reihen des Staates aus - und bei seinen Nachforschungen zeigt sich, dass Volney ein ganzes Rudel schlafender Hunde weckt.

 

Was Verneuil hier abliefert, ist ganz großes Kino - wieder mal muss man sagen, denn der Mann hatte mit Filmen wie Ein Affe im Winter, Lautlos wie die Nacht, Dünkirchen 2. Juni 1940, Der Clan der Sizilianer, Angst über der Stadt und Der Körper meines Feindes schon mehr als ein 'Meisterwerk' abgespult. Nun also mit I... wie Ikarus sein finaler Kracher. Verneuil verbaut hier jede Menge politischen Sprengstoff: das Kennedy-Attentat, Kontrolle des Staates durch Organe der inneren Sicherheit verbunden mit dem legendären Milgram-Experiment. Alles verbunden zu hochspannenden Publikumskino mit perfekt gearbeitetem Drehbuch und superben Einfällen - und das Ende gehört wohl mithin zu den atemberaubendsten Auflösungen, die ich im Kino bisher erlebt habe.

 

Zusätzlicher Pluspunkt ist ein wunderbar spielendes Ensemble, dem der große Yves Montand als Generalstaatsanwalt Volney vorsteht - eine perfekte Rolle für den großen Akteur. Die Synchronisation unterstützt die spannende Atmosphäre, Arnold Marquis spricht Montand. Die Musik, die neben schwermütigem Streich mit einem formidablen Hauptthema der beat-barockesken (Ton-)Art aufwartet, stammt vom großen Maestro Ennio Morricone und veredelt den Film mit einem wunderbaren Klangteppich - erschienen einst auf GDM und mittlerweile OOP, aber immerhin gibt es das wundervolle Theme Principal auf manchem Sampler.

 

I... wie Ikarus dürfte mithin Verneuils persönliches Hochwassern im Thrillergenre sein; ein krönender Abschluss einer exzellenten Filmographie, den alle politisch interessierten Menschen und Liebhaber des Kinos an sich, unbedingt mal gesehen haben müssen. Er offenbart, wozu Menschen allein aus ihrer Natur und dem Gehorsam der Obrigkeit gegenüber fähig sein können - und dass unerlässlich ist, dagegen einzustehen; auch wenn dafür schon mal Opfer gebracht werden müssen. Ganz großes Kino befand auch der Film-Dienst, der den Film völlig zurecht als 'Hervorragend inszenierte, sehr fesselnde und nachdenklich stimmende Unterhaltung' lobhudelte. Frankreich honorierte den Streifen indes mit einem Grand prix di cinéma français und 5 César-Nominierungen - muss ich noch mehr sagen?

 

Der französische Trailer zu Film, sehr gut geschnitten und den Spirit gut transmitierend: http://www.youtube.com/watch?v=NbZKruVZMtU

 

Das charakteristische Theme Principal vom Maestro - ein Meisterstück unter vielen: http://www.youtube.com/watch?v=CUpPpKJoZio

 

19.7.10 07:42

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