Die Viper (EA: 12.03.1985)

 

Heute mal wieder italienisch ... und wie - handelt es sich doch bei Die Viper um eines der knalligen Elaborate, die Regisseur Umberto Lenzi in den Mittsiebziegern im Zuge der 'Poliziesco'-Welle fabriziert hat. Roma a amno armata, wie diese Granate von 1976 im Original hieß, hält was es verspricht; Rom ist tatsächlich bis an die Zähne bewaffnet. In der Metropole dampft der Asphalt, das Verbrechen wälzt sich wie ein schier unaufhaltsamer Virus durch die Straßen der Stadt. Morde, Banküberfälle, Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung - und die Polizei sieht sich mit der Gesetzestreue auf verlorenem Posten. Wäre da nicht Commissario Ferro, der 'Härter als Eisen' dem ganzen Gesockse den Kampf angesagt hat und festlich austeilt - wo Ferro seine Baretta zieht, werden Särge dutzendweise bestellt.

 

Diesen Ferro, den mittelschwer angefaschistiodierten Streetwise-Policeguy mit der Lizenz zum Abschuss, spielt natürlich der neben Franco Nero härteste 'Mustache of them all', den die Leinwand je gesehen hat: Maurizio Merli, Symbol- und Identfigur für das Genre des italienischen Poliziantenfilms. Sein großer Gegenspieler hier ist der komplett verrückte 'Bucklige', gespielt von einem wie immer herumberserkernden Tomas Milian, der mit seiner Rolle total durchgeht - wow. Zusätzlich gibt es Arthur Kennedy als altersweisen Polizeichef sowie bekannte Italo-Gesichter wie Ivan Rassimov, den 'Italo-Peter-Lorre' Luciano Pigozzi oder die hübsch anzusehende, mir leider ausgesprochen unsymphatische Maria Rosaria Omaggio. Ein Fest für Fans. 

 

Freilich ist der Film - gerade heutig betrachtet - dank der glorifizierten Selbstjustizparole (frei nach dem Motto: Schlaffer Staat und lasche Justiz, da greif' ich halt selbst zur 38er) ganz und gar nicht PC, aber das will Regisseur Lenzi auch gar nicht sein: er will unterhalten. Und er gibt dem Affen ordentlich Zucker - wilde Verfolgungsjagden, massig Arbeit für die Kunstblutwerkateure, mittelschweren Sleaze der gehobenen Kreisklasse; das Fansherz staunt und freut sich. Der Film fand erst runde 10 Jahre nach Dreh den Weg nach Deutschland, was sich auch durch sie Mittachziger-Synch bemerkbar macht, die in München einst vom VPS-Label für den Videorelease erstellt wurde - im Programm finden sich hier viele bekannte Stimmen, so auch der omnipräsente Herbert 'Spock' Weicker, 'Scotty' Kurt E. Ludwig oder 'Henchman' Arthur Brauss; im Ganzen recht hörbar.

 

Den konsequenten Verlauf schmiert wieder mal ein forscher 'Powerhouse'-Score von Lenzi-Stammmusiker Franco Micalizzi, der neben einem Uptempo-Thema mit fettem Bass und gleichermaßen konditionierten Drums ordentlich Feuer gibt - Gottlob ist der Score mittlerweile auf CD raus.

 

Für Italo-Freunde ein echtes Fest. Lenzi kredenzt einen ballernden Actioner mit klasse Besetzung, den es lohnt, mal gesehen zu haben. Ganz persönlich finde ich zwar den Vorgänger Camorra - Ein Bulle räumt auf (OT: Napoli Violenta) noch eine Spur gelungener, da er als Spielfilm mit Handlung noch etwas besser funktioniert, aber dennoch gehört Die Viper / Roma a mano armata zum Besten, was Lenzi im 'Poliziesco'-Bereich gekurbelt hat.

 

Der italienische Originaltrailer macht klar, worum es hier geht: http://www.youtube.com/watch?v=FKkiMBehwww

 

... und der Titelvorspann offeriert das schmucke Main-Theme: http://www.youtube.com/watch?v=BFp6ko-Bfk0

 

10.7.10 17:49

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