Der Kommissar - Ratten der Grosstadt (Folge 3 / EA: 31.01.1969)

 

Die 3. Folge unserer Lieblingsserie führt ins Leiharbeiter- und Kneipenmilieu am Münchener Großmarkt. Der Wirt einer Trinkbutze wird erschlagen, verdächtig sind viele ... und eine rührige Fünfertruppe, die alle nicht gerade als Standard gelten und mit Ratten der Grosstadt treffend beschrieben ist, machen dem Ode zu schaffen - ausnahmsweise greift man hier schlußendlich sogar mal zur Waffe. Walter ermittelt Undercover (wobei es diesen Begriff wohl damals noch nicht gab), Robert kann den durchgreifenden Beamten mal richtig raushängen lassen; und der Fritz weppert sich im Hintergrund ordentlich einen zurecht.

 

Das nur wirklich gute Schauspieler Klischeerollen glaubhaft spielen können, ohne dabei - wie so viele untalentierte Akteure - in den Niederungen der Charge zu versinken, beweist wieder einmal diese Folge. Hotte Frank (ohnehin ja zu einem meiner Lieblinge avanciert) ist als cheffender 'Bimbo' eine Augen-/Ohrenweide, Klaus Schwarzkopf gibt den verschmitzten 'Professor', Fred Haltiner ist perfekt als 'Palle, die Ratte', den ständig nicht geschäftsfähigen Trinker 'Manni' gibt der unvermeidliche Gerd Baltus und als Krönung der Fünfertruppe setzt es unseren Quotenmeister Werner Pochath, der mit seiner Rolle als Halbdepp 'Mozart' auf und davon geht. Erik Odes Ehefrau Hilde Volk spielt die resolute Kneipenwirtin, die nett anzusehende Ilona Grübel überzeugt als des Wirts hinterblieben Töchterlein.

 

Regisseur Theodor 'im Fußballtor' Grädler ist zum ersten Mal dabei, sollte uns allerdings beim Kommissar noch öfter erfreuen. Ebenso ist Ratten der Grosstadt eine Premiere für Kameramann Manfred Ensinger, der auch zukünftig noch kräftig für Ringelmann-Serien wie Derrick oder Der Alte kubeln durfte und seinem Lehrmeister Kästel in nichts nachtsteht - seine schwenkerische Meisterwerke (meist im Verbund mit Regisseuren wie Dietrich Haugk oder Zbynek Brynych kommen aber erst noch). Musikalisch kommt die Folge - mit Ausnahme der Jarczyk-Titelmelodie - völlig ohne Mucke aus, was den naturalistischen charakter aber noch verstärkt und damit das Hauptaugenmerk des Zusehers auf die Dialoge legt.

 

Man bewegt sich in der Gesamteinschätzung bei Ratten der Großstadt auf gleichwertigem Niveau, besonders die tolle München-Sommer-Atmo mit stimmungsvollen Aufnahmen an der Isar und die Milieu- und Personenzeichnung macht diese Folge sehenswert. Hier ziehe ich die 2 ohne Weiteres.

 

22.6.10 11:40

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen