Der Kommissar - Das Messer im Geldschrank (Folge 2 / EA: 17.01.1969)

 

Eigentlich wurde diese Folge als Erste gedreht, zudem noch unter dem Arbeitstitel 'Trag nicht rot, Marion' - man verlegte diese Folge aber nach hinten, weil Kommissar Ode hier erstmal nur aus dem Bett ermittelt; anscheinend hatte ihm seine Suche nach einem Toten Herrn im Regen nasse Füße und damit eine Erkältung eingebracht. Demnach schlägt hier erstmals Harrys große Stunde, der Wepper Fritz muss zu Beginn die Ermittlungen um eine tote Bardame führen - und er macht das ganz behänd. Schramm und Glemnitz stehen ihm natürlich zur Seite ... und die große Aufdecke macht selbstlösend Keller himself.

 

Die Gaststars sind hier mal wieder eine Schau. Die zuckersüße Ann Smyrner, die leichtbekleidet und mit zauberhaftem Dänen-Akzent die genkickte Freundin der Ermodeten spielt, war selten besser. Lukas Amman und Wolfgang Völz hatten wohl bei Graf Yoster gibt sich die Ehre ein paar Tage drehfrei, schauten beim Kommissar vorbei - die beiden sind klasse, jeder auf seine Art; speziell Ammans tolle Diktion ist mal wieder ein Hinhörer. Sehr gut auch Herbert Bötticher als sonnenbebrillter Pianist mit Hang zum Lethargischen, Michael Maien (der es, trotz Beteiligung an Kassenschlagern wie Oswalt Kolle - Das Wunder der Liebe, nie zum Star brachte und ihm Lederhosengenre versandete) rundet das prächtig agierende Ensemble ab.

 

Regie führte hier wiederum Wolfgang Becker, der seinem Ruf als einem der besten Krimiregisseure im deutschen Fernsehen damaliger Zeit mal wieder alle Ehre macht und beste Arbeit abliefert. Die winterliche Atmo, die Rolf Kästel wunderbar auf Zelluloid bannt, lassen die Folge geradewegs in meine 'Wintersammlung' wandern, wo sie es sich neben George Lautners Der Bulle und Freddy Vohrers Der Zinker gemütlich machen kann; speziell der morgendliche Spaziergang von Erik Ode und Ann Smyrner durch die verschneiten Isarauen ist traumhaft gefilmt und gespielt. Die Musik lieferte wiederum Herbert Jarczyk, der mit dem Titel 'Marion' für Jazzorchester und Soloklavier eine signifikante Beschallung für diese Folge schrieb, was mit den dazugehörigen Bildern einer verträumten Ann Smyrner sehr schön harmoniert (so was konnte Regisseur Becker wie kein Zweiter, man bedenke die göttliche Sequenz aus Babeck, als Senta Berger in lasziver Pose den Thomas'schen Gnadenhammer 'Vergiss mich, wenn du kannst' zum Allerbesten gibt). Gottlob sind beide erwähnten Themen auf Single raus und mittlerweile auch zu digitalen Ehren gekommen. 

 

Vom Wert der Atmosphäre (winterliches Exterieur kommt bei mir immer gut weg) und der Darstellerleistungen stellt Das Messer im Geldschrank die erste Folge in den Schatten. Hier ziehe ich locker eine 2+ ... Der Kommissar geht um. 

 

19.6.10 21:30

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