Der Kommissar - Toter Herr im Regen (Folge 1 / EA: 03.01.1969)

 

Nachdem letztens nach jahrelangem Warten endlich meine absolute Lieblingskrimiserie aus teutschen Landen den Weg auf DVD gefunden hat, werde ich mal wieder eine Sichtung anstreben - beginnend (logischerweise) mit der allersten Folge. Toter Herr im Regen ging zwar als dritte Episode in Produktion, man stellte jedoch (wie später auch bei Derrick, als man Mitternachtsbus zugunsten von Waldweg an die vierte Stelle verfrachtete) zur besseren Etablierung des neuen Formats um - denn Toter Herr im Regen enthielt auf Anhieb alles, was über Jahre eine gute Kommissar-Folge ausmachen würde.

 

Zunächst mal ist da der eigentliche Fall, den 'Vielschreiber' Reinecker gewohnt solide anlegt, logisch aufbaut und mit sauberen Dialogen aufputzt. Drumherum spielen sich der allweise Kommissar Keller und seine Assis die Bälle zu, lassen einige nette Sprüche und sind einfach herrlich anzusehen, Milieuschilderungen gibt es nicht zu knapp ... und natürlich wird, aus heutiger Zeit betrachtet völlig inkorrekt, exzessiv geraucht und gesoffen was Zigarettenschachtel und Kühlschrank hergeben - speziell mit Ode geht's rauchtechnisch derartig durch, gegen ihn zieht selbst Helmut Schmidt blank.

 

Die perfekte Verkörperung des Kommissars ist natürlich Erik Ode, der nicht nur ungeheuer sympathisch ist sondern auch jederzeit im Bilde und auf der richtigen Spur ist - sehr unterhaltsam. Ihm zur Seite steht mit Günter Schramm der Dandy des Assi-Teams, Reinhard Glemnitz portraitiert den rechtschaffenden und absolut gesetzestreuen Typ 'deutscher Beamter' während ein flockiger Fritz Wepper den jugendlich lockeren Sidekick abgiebt. Unterstützt von der 'Seele des Büros' Helma Seitz und der für Schreibaufgaben vorgesehene Emely Reuer löst dieses Gespann jeden noch so verzwickten Fall - immer wieder ein Anschauen wert. 

 

Als Gaststars in Toter Herr im Regen agieren Alwy Becker, die für meinen Geschmack etwas sehr UFA-mäßig auftritt, Dorothea Wieck als mütterliche Grand Dame mit Hinterlist, Friedrich Karl Grund (der fürderhin auch hinter der Kamera als Techniker aktiv war, so auch in Rolf Olsens Schlachteplatte Blutiger Freitag) gibt einen prächtigen Einstand, das Berliner Original Ursula Grabley hat ein paar nette Szenen, putzende Dreingaben wie Susanne Barth und Ingrid Simon runden das Vergnügen ab. Insgesamt alles recht homogen.

 

Regie beim Erstling führte Wolfgang Becker, der sich mit Arbeiten für Das Kriminalmuseum und Die 5. Kolonne als einer der besten Krimiregisseure im Fernsehen etabliert hatte und sich mit seinen Beiträgen für Der Kommissar und seinem Dreiteiler 11 Uhr 20 noch mehr als ein Denkmal setzen sollte. Optisch in Szene setzt die Sache der verdiente Bildgestalter Rolf Kästel, der als CDK weiß, was man mit s/w-Film alles machen kann und sauber filmt - er sollte DER Kameramann der Serie werden. Die Musik, inklusive der charakteristischen und mittlerweile zum Klassiker avancierten Titelmelodie, schrieb der Berliner Herbert Jarczyk, der seinen größten Wurf leider nicht mehr erlebte - er starb noch vor EA der Serie, wird aber spätestens durch seine Der KommissarKommissar-Musik auf ewig unvergessen bleiben.

 

Kurzum: hier wurde ein Klassiker geboren. Als Transporteur eines umwerfenden Zeitkolorits aus dem München der Endsechziger und als unterhaltsame Serie mit hochsympathischen Darstellern funktioniert Der Kommissar auch heute noch. Für Serienfetischisten besteht Suchgefahr. To be continued...

 

Das stimmungsvolle Intro gibt es hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=MgTcIoFniXg

 

 ... und ein Besuch auf der informativsten Kommissar-Seite im Netz lohnt sich ohnehin: http://www.kommissar-keller.de/

 

19.6.10 21:03

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