Wie kommt ein so reizendes Mädchen zu diesem Gewerbe? (EA: 15.01.1970)

 

Der letzte Film, bei dem der geniale Will Tremper Regie führte. Leider ist der Streifen, nach Trempers wundervollen und vielschichtiigen Milieustudien Die endlose Nacht und Playgirl nicht viel mehr als ein leidlich unterhaltsamer und wenig investigativer Film. Man kann es dem damaligen Kinopublikum nicht wirklich verdenken, dass es den Film mit Nichtachtung strafte, ihn damit zu einem der größten Flops der Rialto-Film werden ließ - da half auch ein Verleihwechsel und der Wiedereinsatz unter dem Titel Mir hat es immer Spaß gemacht nichts; die audience blieb rar. Vortan verlegte sich Tremper aufs Schreiben, inszenierte nie wieder.

 

Die Besetzungsliste punktet mit der nett anzusehenden Barbara Benton in ihrer ersten appearence überhaupt, leider ist ihre piepsige deutsche Synchronstimme ein absoluter Bauchklatscher - da wünscht man sich den Stummfilm zurück. Wesentlich besser kommt da Klaus Kinski als garantiert überhaschter Mexiko-Lude, der dank Sprecher Gert Martienzen fesch rockt und ordentlich Stylepower fährt, Gastauftritte haben, neben dem Hart aber Herzlich-Bärchie Lionel Stander, Eurotrash-Nase Paul Muller und Playboy-Scheffe Hugh Hefner, die Schlagersänger Christian Anders und Bruce Low sowie die Berliner Akteure Claude Farell und Max Nosseck. Neben Babsi Benton (wie sie sich in späteren Produktionen wie Fantasy Island und Love Boat nannte) spielt Hampton Francher ihren gleichaltrigen Counterpart. Insgesamt sind das alles keine schauspielerischen Offenbarungen und ein paar größere Namen hätten dem Produkt sicherlich gut getan, aber schlechter geht's halt immer.

 

Produziert wurde der ganze Kasperkram vom altehrwürdigen Horst Wendlandt, den sein großes Herz für die Individualisten unter den Filmemachern Ende der 60er Jahre warscheinlich nicht nur ein paar Taler kostete, sondern auch Schmuckstüke wie Marran Gosovs Der Kerl liebt mich - und das soll ich glauben? (den habe ich hier auch schonmal in den Himmel gehoben) hervorbrachte. Tremper Letzter konnte, wie soviele andere Filme dieser Zeit, zudem noch mit einem poppigen Soundtrack aufwarten, den der weltbekannte Jazzimprovisator Klaus Doldinger komponierte. Nach Negresco**** - Eine tödliche Affäre sein zweiter Score, liefert Doldinger beatige Rhythmen mit schwerem Easy-Listening-Einschlag plus partiellen Strings und dem witzigen Vokalopener 'How did a nice girl like you get into this business?', getextet und interpretiert vom kanado-österreichischen Austropop-Sänger Jack Grunsky. Außer 2 Tracks, die mal bei TIS auf einer Musterplatte eschienen, gibt's davon (bisher) nichts auf Tonträger - aber was nicht ist, kann noch werden.

 

Leider hatte Tremper bei Wie kommt ein so reizendes Mädchen zu diesem Gewerbe? zu diesem Zeitpunkt seinen filmischen Zenit überschritten. Der Film ist zwar nicht wirklich schlecht, aber so richtig funken tut's nicht - solide, aber meilenweit entfernt von einem Meisterwerke á la Playgirl. Für Sammler, Doldinger- und Kinski-Fans Pflichtprogramm, ansonsten eher was für die Fußnote.

 

3.6.10 09:33

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