Und der Regen verwischt jede Spur (EA: 16.11.1972)

 

Eine Verfilmung der bekannten Kurzgeschichte des russischen Autors Alexander Puschkin; gedreht zur Bestzeit der Simmel-Verfilmungen in den 70ern (die ich ja schon ausführlich hier gelobhudelt hatte: http://joewalker.myblog.de/joewalker/art/6745190/Gott-schutzt-die-Liebenden-EA-04-10-1973- & http://joewalker.myblog.de/joewalker/art/6743594/Alle-Menschen-werden-Bruder-EA-15-03-1973-), inszeniert von Alfred Vohrer - was kann da noch schiefgehen? Eben; Nichts! Vohrer präsentiert sich auf der Höhe seines Könnens, verfertigt ein bravourös inszeniertes Liebesdrama der gehobenen Preisklasse.

 

Schauspielerisch vertraut Vohrer hier 'seinen' Entdeckungen sowie sonst eher nur mit Nebenrollen bedienten Akteuren, die allesamt überzeugen. Anita Lochner (unvergessen für ihren Auftritt in Deep End) spielt die weibliche Hauptrolle mit Natürlichkeit, ihr zur Seite die beiden Vohrer-Ziehkinder Alain Noury (aus Und Jimmy ging zum Regenbogen) und Malte Thorsten alias Wolfgang Schumacher (aus Liebe ist nur ein Wort) um die es ewig schade ist, dass aus diesen beiden nie richtige Stars wurden. Wolfgang Reichmann geht in seiner Rolle als eiskalt berechnender und Leichen in Kauf nehmender Geschäftsmann auf und davon, selbst die sonst eher auf Fernsehrollen abonierte Eva Christian kann hier mal zeigen, was sie kann. Anbei gibt es bekannte Gesichter wie Ruth-Maria Kubitschek, Henry Vahl, Alf Marholm und Konrad Georg.

 

Da Simmel-Kameramann Charly Steinberger gerade anderweitig verbucht war, übernahm Altmeister Jerzy Lipman die Bildgestaltung; dieser wandelt auf Steinberger'schen Pfaden und fotografiert im superchicen 70ies-Stil mit vielen ausgefallenen Kameraperspektiven und so manchem Farbfilter. Das Drehbuch stammt natürlich vom Roxy-Hausautor Manfred Purzer, der wie gewohnt eine erstklassige Arbeit abliefert - Figurenzeichnung und Interaktionen sind sehr gelungen. Das Beste zum Schluss: die Musik von Erich Ferstl unterstützt die Inszenierung deckungsgleich, liefert tragiromantische Musik voller Inspiration. Das effektvoll arrangierte Hauptthema wurde sogar für den nächsten Simmel-Film Alle Menschen werden Brüder als Titelmusik recycelt. Es grenzt an Frevel, dass aus diesem Score so rein garnichts auf Tonträger jedweder Art greifbar ist - dafür würde ich einiges auf mich nehmen.

 

Im Gesamteindruck ist Und der Regen verwischt jede Spur wieder mal ein Glanzstück in Vohrers Roxy-Zeit und beweist, das Kitsch/Kunst/Kommerz sich nicht zwangsläufig gegenseitig ausschließen müssen - formvollendet, inspiriert, anrührend, just perfect. Für schwermütige Situationen und Lebenslagen Pflichtprogramm. Mich machen diese Filme ob ihrer Tristesse immer depressiv, aber ich steh' dazu. Muss auch sein.

 

Da könnten sich so manche Regisseure heute noch was abgucken - Vohrer rules, Puschkin rules, Ferstl rules; that's the hook.

 

2.6.10 08:02

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