Tatort - Das schwarze Grab (Nr. 704 / EA: 14.09.2008)

 

Zufällig reingerasselt; und da ich das Ermittlerduo des Saarländischen Rundfunks (SR) ja ins Herz geschlossen habe, sogar hängen geblieben. Während der televisionären Sommerpause verbrät die ARD ja gerne mal nicht ganz acceule Folgen des Dauerbrenners Tatort auf dem angestammten Sonntagabend-Sendeplatz - so auch heute. Das schwarze Grab, der numerisch 704. Tatort, wurde 2008 als dritter Fall des nach dem Abgang von Jochen 'Palú' Senf neu formierten, ungleichen Ermittlerduos um die beiden Saarbrücker Hauptkommissare Kappl und Deininger gedreht. Diesmal geht's in die Tiefe, denn im Umfeld der Schließung des letzten Traditionsbergbaus für Kohle stapeln sich die Leichen - und während Kappl im Zuge seiner Ermittlungen unter Tage samt der Festgesellschaft verschüttet wird, muss Deininger übertage dem Mörder einer Bergmannsfrau ins Getreide fahren.

 

Wie immer läuft beim Tatort zuzüglich der eigentlichen Ermittlungsarbeit immer noch eine gehörige Portion Lokalkolorit und Milieustudie nebenher. So wird hier die Problematik der Bergarbeiter, die nach Schließung ihres Tagebaues vor den Scherben ihrer Existenz stehen, eindringlich herausgearbeitet. Regisseur Gregor Schnitzler gibt hier sein Tatort-Debut, ist aber durch Filme wie Die Wolke oder Was tun, wenn's brennt sowie Serienarbeiten zu Im Namen des Gesetzes, Balko oder Doppelter Einsatz längst kein Unbekannter mehr - insgesamt liefert ein rundes Elaborat ab, der für meinen Geschmack zwar die Stimmung der beiden SR-Vorgänger nicht ganz erreicht, dafür aber speziell unter Tage eine dichte und klaustrophobische Atmosphäre schaffen kann. Das Drehbuch von Martin Conrath & Thomas Kirchner gibt sich zwar recht durchschaubar und trägt manchmal etwas dick auf, kann aber in den Charakterzeichnungen Boden gut machen. 

 

Eindeutig zum Gelingen tragen natürlich die beiden Hauptprotagonisten Maximilian Brückner und Gregor Weber bei, die ihre unterschiedlichen Charaktere sehr überzeugend spielen und sich gegenseitig harmonisch ergänzen - für mich eins der goutierbarsten Tatort-Gespanne derzeit. Ergänzt durch 'Madame Maigret' Alice Hoffmann (mit ihr und Weber sind sogar zweidrittel des Familie Heinz Becker-Teams auch beim Tatort wieder vereint), Gerichtsmediziner Hartmut Volle und die wunderhübsche Obduktientin Lale Yavas ergibt sich ein tolles Poliziantenteam aus dem Saarland - inklusive Dialekt(en).

 

Die Musik zum Film, der zwischenzeitlich unter den Arbeitstiteln Fünf Tage Angst und Schwarzes Grab lief, stammt von Manu Kurz, bereits dritter Tatort-Einsatz hier ist und sonst durch Beiträge zu Unter Verdacht aufgefallen, und offeriert neben vielen Streichern eine gehöre Portion fettem Schlagwerk sowie partiellem Lyrikpiano für die dramatischen Momente.

 

Insgesamt ein sehr solider und handwerklich gut gefertigter SR-Tatort mit symphatischen Darstellern, die über vereinzelte Drehbuchpatzer hinwegtäuscht und gut unterhält. MORD... gleich nach der Tagesschau!

 

Der Trailer in der Mediathek der ARD: http://mediathek.daserste.de/daserste/servlet/content/4937894?categoryId=&goto=&moduleId=602916&pageId=&show=

 

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Im Kittchen ist kein Zimmer frei (EA: 21.08.1959)

 

Frankreich-Wochen! Nach I... wie Ikarus mit Im Kittchen ist kein Zimmer frei gleich noch einen Film aus dem Land des Baguette nachgeschoben. Unter der sicheren Regie Gilles Grangiers spielt der französische Ausnahmeakteur Jean Gabin die Hauptrolle von Archimède, le clochard (so der Originaltitel des Filmes), für den es nur zwei Möglichkeiten gibt, dem rauen Winter in Paris zu entfliehen: entweder Kittchen oder Riviera. Doch sowohl das eine als auch das andere zu erreichen, gestaltet sich schwieriger als gedacht.

 

Gilles Grangier gehörte damals zu den bevorzugten Gabin-Kollaborateuren im Regiebereich - eine lange Liste von Filmen zeugt davon: La vierge du Rhin, Gas-Oil, Vulkan im Blut, Die Nacht bricht an, Der Himmel ist schon ausverkauft, Der Herr mit den Millionen, Ein Herr aus besten Kreisen und Kommissar Maigret sieht rot!. Ebenfalls notierenswert: mit Tatort Paris verfertigte er einen der ersten Erfolge des damals noch jungen Lino Ventura. Auch Im Kittchen ist kein Zimmer frei manifestierte Grangiers Ruf als Meister auf dem Gebiet, eine dramaturgisch ausgearbeitete Handlung mit feiner Milieuschilderung inszenatorisch verbinden zu können. Die Schilderung des Milieus zwischen Clochards und Großmarkt, engen Gassen und mondänen Großstadtvierteln ist wunderbar gelungen, die Handlung um den gebildeten und erfindungsreichen Archimedes ist stimmungsvoll inszeniert.

 

Jean Gabin ist diese Rolle natürlich auf den Leib geschneidert - verstärkt dadurch, dass die Idee zum Film unter seinem Geburtsnamen Jean Moncorgé von ihm selbst kam. Er spielt den Archimedes mit viel Verve, hintergründigem Witz und naturgegebener Souveränität - ein weiteres Meisterstück in seiner langen Karriere. Alle übrigen Darsteller agieren in ihren Parts mit gekonntem Witz, besonders stechen Darry Cowl, Bernard Blier, Paul Frankeur und Dora Doll aus dem Ensemble heraus.

 

Unterstützt durch die Dialoge von Michel Audiard, einem der über Jahrzehnte besten Dialogschreiber des französischen Kinos, und die syphatische Synchronisation, die neben Gabins Stammsprecher Klaus W. Krause mit Sprechern wie Harry Wüstenhagen punktet, ergibt sich ein hochunterhaltsames Werk, das durch einen stimmungsvollen Score von Altmeister Jean Prodromides, der gleich zwei geschickt komponierte Hauptthemen bereithält und der mit Gabin bereits für Ein Herr ohne Kleingeld und Maigret kennt kein Erbarmen zusammengearbeitet hat, abgerundet wird - leider ist eine Veröffentlichung des Soundtracks nie erfolgt.

 

Was der wundervolle Blüten, Gauner und die Nacht von Nizza für die Gabin-Filmographie der 60er Jahre bedeutet, ist Im Kittchen ist kein Zimmer frei für die 50er - ein sehr atmosphärisches, komödiantisch hervorragend ausbalanciertes Stück französisches Kino, was es so heute nicht mal mehr ansatzweise gibt. Selbst der Film-Dienst kannte kein Halten und lobte den Film als "Humorvolle Unterhaltung, in der Jean Gabin sein Original äußerst vital und von gallisch-geistvollem Sarkasmus geprägt anlegt; nicht nur durch die Schauspielkunst überzeugend", für die es anno 1959 bei der Berlinale sogar einen silbernen Bären gab. Daher erinnerungswürdige Unterhaltung für Filmfreunde mit Stilempfinden.

 

Eine der vielen schönen Szenen, die dieser Film bereithält: http://www.youtube.com/watch?v=s3v3J8fvnzs

 

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I... wie Ikarus (EA: 25.04.1980)

 

Politthriller gibt's wie Sand am Meer - gute Politthriller hingegen sind rar ... und gerade deshalb sticht ein Film wie der 1979 gedrehte I... wie Ikarus auch so aus dem Gros dieses Genres heraus. Eigentlich verwundert es nicht, dass ausgerechnet die Franzosen mal wieder das beste Händchen dafür haben - sind sie mir doch mit ähnlich gelagerten Filmen wie den beiden Lautner-Sprengern Der Fall Serrano oder Der Profi doch diesbezüglich schon mehr als einmal aufgefallen und sehr ans Herz gewachsen. In I.. comme Icare, wie der Film in seinem Ursprungsland hieß, bereitet der ohnehin viel zu unterschätzte Henri Verneuil ein ruhig erzähltes, fachlich fundiertes und dennoch mordsspannendes Thrillergewebe auf, dass es in sich hat.

 

In einem fiktiven Staat, der vordergründig amerikanisch entlehnt jedoch überall auf der Welt spielen kann, wird ein frisch wiedergewählter Präsident publikumswirksam abgemurkst, die Untersuchungskommission ist sich eines schnell gefundenen, noch dazu bereits verblichenen Einzeltäters sicher - nur Generalstaatsanwalt Henri Volney, ein kühl analysierender Taktiker vor dem Herrn, sieht die Sache anders: er geht von einer lang und breit geplanten Aktion aus den Reihen des Staates aus - und bei seinen Nachforschungen zeigt sich, dass Volney ein ganzes Rudel schlafender Hunde weckt.

 

Was Verneuil hier abliefert, ist ganz großes Kino - wieder mal muss man sagen, denn der Mann hatte mit Filmen wie Ein Affe im Winter, Lautlos wie die Nacht, Dünkirchen 2. Juni 1940, Der Clan der Sizilianer, Angst über der Stadt und Der Körper meines Feindes schon mehr als ein 'Meisterwerk' abgespult. Nun also mit I... wie Ikarus sein finaler Kracher. Verneuil verbaut hier jede Menge politischen Sprengstoff: das Kennedy-Attentat, Kontrolle des Staates durch Organe der inneren Sicherheit verbunden mit dem legendären Milgram-Experiment. Alles verbunden zu hochspannenden Publikumskino mit perfekt gearbeitetem Drehbuch und superben Einfällen - und das Ende gehört wohl mithin zu den atemberaubendsten Auflösungen, die ich im Kino bisher erlebt habe.

 

Zusätzlicher Pluspunkt ist ein wunderbar spielendes Ensemble, dem der große Yves Montand als Generalstaatsanwalt Volney vorsteht - eine perfekte Rolle für den großen Akteur. Die Synchronisation unterstützt die spannende Atmosphäre, Arnold Marquis spricht Montand. Die Musik, die neben schwermütigem Streich mit einem formidablen Hauptthema der beat-barockesken (Ton-)Art aufwartet, stammt vom großen Maestro Ennio Morricone und veredelt den Film mit einem wunderbaren Klangteppich - erschienen einst auf GDM und mittlerweile OOP, aber immerhin gibt es das wundervolle Theme Principal auf manchem Sampler.

 

I... wie Ikarus dürfte mithin Verneuils persönliches Hochwassern im Thrillergenre sein; ein krönender Abschluss einer exzellenten Filmographie, den alle politisch interessierten Menschen und Liebhaber des Kinos an sich, unbedingt mal gesehen haben müssen. Er offenbart, wozu Menschen allein aus ihrer Natur und dem Gehorsam der Obrigkeit gegenüber fähig sein können - und dass unerlässlich ist, dagegen einzustehen; auch wenn dafür schon mal Opfer gebracht werden müssen. Ganz großes Kino befand auch der Film-Dienst, der den Film völlig zurecht als 'Hervorragend inszenierte, sehr fesselnde und nachdenklich stimmende Unterhaltung' lobhudelte. Frankreich honorierte den Streifen indes mit einem Grand prix di cinéma français und 5 César-Nominierungen - muss ich noch mehr sagen?

 

Der französische Trailer zu Film, sehr gut geschnitten und den Spirit gut transmitierend: http://www.youtube.com/watch?v=NbZKruVZMtU

 

Das charakteristische Theme Principal vom Maestro - ein Meisterstück unter vielen: http://www.youtube.com/watch?v=CUpPpKJoZio

 

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Die Viper (EA: 12.03.1985)

 

Heute mal wieder italienisch ... und wie - handelt es sich doch bei Die Viper um eines der knalligen Elaborate, die Regisseur Umberto Lenzi in den Mittsiebziegern im Zuge der 'Poliziesco'-Welle fabriziert hat. Roma a amno armata, wie diese Granate von 1976 im Original hieß, hält was es verspricht; Rom ist tatsächlich bis an die Zähne bewaffnet. In der Metropole dampft der Asphalt, das Verbrechen wälzt sich wie ein schier unaufhaltsamer Virus durch die Straßen der Stadt. Morde, Banküberfälle, Vergewaltigungen sind an der Tagesordnung - und die Polizei sieht sich mit der Gesetzestreue auf verlorenem Posten. Wäre da nicht Commissario Ferro, der 'Härter als Eisen' dem ganzen Gesockse den Kampf angesagt hat und festlich austeilt - wo Ferro seine Baretta zieht, werden Särge dutzendweise bestellt.

 

Diesen Ferro, den mittelschwer angefaschistiodierten Streetwise-Policeguy mit der Lizenz zum Abschuss, spielt natürlich der neben Franco Nero härteste 'Mustache of them all', den die Leinwand je gesehen hat: Maurizio Merli, Symbol- und Identfigur für das Genre des italienischen Poliziantenfilms. Sein großer Gegenspieler hier ist der komplett verrückte 'Bucklige', gespielt von einem wie immer herumberserkernden Tomas Milian, der mit seiner Rolle total durchgeht - wow. Zusätzlich gibt es Arthur Kennedy als altersweisen Polizeichef sowie bekannte Italo-Gesichter wie Ivan Rassimov, den 'Italo-Peter-Lorre' Luciano Pigozzi oder die hübsch anzusehende, mir leider ausgesprochen unsymphatische Maria Rosaria Omaggio. Ein Fest für Fans. 

 

Freilich ist der Film - gerade heutig betrachtet - dank der glorifizierten Selbstjustizparole (frei nach dem Motto: Schlaffer Staat und lasche Justiz, da greif' ich halt selbst zur 38er) ganz und gar nicht PC, aber das will Regisseur Lenzi auch gar nicht sein: er will unterhalten. Und er gibt dem Affen ordentlich Zucker - wilde Verfolgungsjagden, massig Arbeit für die Kunstblutwerkateure, mittelschweren Sleaze der gehobenen Kreisklasse; das Fansherz staunt und freut sich. Der Film fand erst runde 10 Jahre nach Dreh den Weg nach Deutschland, was sich auch durch sie Mittachziger-Synch bemerkbar macht, die in München einst vom VPS-Label für den Videorelease erstellt wurde - im Programm finden sich hier viele bekannte Stimmen, so auch der omnipräsente Herbert 'Spock' Weicker, 'Scotty' Kurt E. Ludwig oder 'Henchman' Arthur Brauss; im Ganzen recht hörbar.

 

Den konsequenten Verlauf schmiert wieder mal ein forscher 'Powerhouse'-Score von Lenzi-Stammmusiker Franco Micalizzi, der neben einem Uptempo-Thema mit fettem Bass und gleichermaßen konditionierten Drums ordentlich Feuer gibt - Gottlob ist der Score mittlerweile auf CD raus.

 

Für Italo-Freunde ein echtes Fest. Lenzi kredenzt einen ballernden Actioner mit klasse Besetzung, den es lohnt, mal gesehen zu haben. Ganz persönlich finde ich zwar den Vorgänger Camorra - Ein Bulle räumt auf (OT: Napoli Violenta) noch eine Spur gelungener, da er als Spielfilm mit Handlung noch etwas besser funktioniert, aber dennoch gehört Die Viper / Roma a mano armata zum Besten, was Lenzi im 'Poliziesco'-Bereich gekurbelt hat.

 

Der italienische Originaltrailer macht klar, worum es hier geht: http://www.youtube.com/watch?v=FKkiMBehwww

 

... und der Titelvorspann offeriert das schmucke Main-Theme: http://www.youtube.com/watch?v=BFp6ko-Bfk0

 

1 Kommentar 10.7.10 17:49, kommentieren

Der Kommissar - Die Tote im Dornbusch (Folge 4 / EA: 21.09.1969)

 

Für die 4. Folge zieht's den Kommissar notgedrungen aus der Stadt - genauer gesagt: an die Autobahn. Die Wirtin eines Rasthauses (diesen Begriff gab es damals noch), die auch ausßerhalb ihrer Küche selten was anbrennen ließ, wurde ermordet; und da - nach Odes Meinung - Walter Frauen als Opfer einfach mehr liegen, hat Schramm die Nuss vorerst zur Bearbeitung. Anbei setzt es natürlich die übliche Melange aus zwielichtigen Typen und verkrachten Existenzen der Sonderklasse.

 

Darstellerisch darf Schramm mal was zeigen, hat einige nette Szenen, ebenso Paul Albert Krumm, der mit seiner Rolle des gebrochenen, weinerlichen Ehemannes mal wieder voll ins Schwarze trifft. Ellen Umlauf und Alice Treff sichern die weiblichen Parts ab, während bei den Mannsbildern Jan Hendriks als grobschlächtiger Oberkellner schön reinhaut, ebenso der ruhige Siegurd Fitzek - ohnehin ein unter Wert verkaufter Schauspieler. Arthur Brauss und Thomas Astan runden die Sache ab, Walter Ladengast als mit Fistelstimme agierender Leichenbeschauer ist in einem Gastauftritt dabei.

 

Sein Regiedebut beim Kommissar gibt mit Die Tote im Dornbusch Georg Tressler, einer aus dem Großes hätte werden können: er machte mit dem wunderbaren Die Halbstarken (Musik: Martin Böttcher & seine Jazz-Cracks) und dem ähnlich gelungenen Endstation: Liebe (wieder Böttcher-Mucke) Horst Buchholz zum Star, legte mit Das Totenschiff (eine der raren Filmscores von Roland Kovac) sogar noch einen expressiven Depri-Klassiker nach B. Traven vor, versakte dann aber in der Alter-/Neuer-deutscher Film-Diskussion Mitte der 60er Jahre im Fernsehen. Er inszeniert seinen ersten Kommissar ruhig und mit Bedacht für Dialoge, vielleicht etwas unspektakulär aber gesamthaft doch zufriedenstellend. Die Kamera, die speziell in den Nachtszenen in München wieder tolle Bidler liefert, führt wiederum Rolf Kästel. Wie schon Ratten der Grosstadt kommt auch diese Folge völlig ohne Musik aus, was heutzutage aber direkt mal etwas beruhigendes hat.

 

Im Ganzen ziehe ich hier ruhigen Gewissens die 3+ bis 2- ... und freue mich auf die restlichen Folgen.

 

1 Kommentar 25.6.10 10:18, kommentieren

Der Kommissar - Ratten der Grosstadt (Folge 3 / EA: 31.01.1969)

 

Die 3. Folge unserer Lieblingsserie führt ins Leiharbeiter- und Kneipenmilieu am Münchener Großmarkt. Der Wirt einer Trinkbutze wird erschlagen, verdächtig sind viele ... und eine rührige Fünfertruppe, die alle nicht gerade als Standard gelten und mit Ratten der Grosstadt treffend beschrieben ist, machen dem Ode zu schaffen - ausnahmsweise greift man hier schlußendlich sogar mal zur Waffe. Walter ermittelt Undercover (wobei es diesen Begriff wohl damals noch nicht gab), Robert kann den durchgreifenden Beamten mal richtig raushängen lassen; und der Fritz weppert sich im Hintergrund ordentlich einen zurecht.

 

Das nur wirklich gute Schauspieler Klischeerollen glaubhaft spielen können, ohne dabei - wie so viele untalentierte Akteure - in den Niederungen der Charge zu versinken, beweist wieder einmal diese Folge. Hotte Frank (ohnehin ja zu einem meiner Lieblinge avanciert) ist als cheffender 'Bimbo' eine Augen-/Ohrenweide, Klaus Schwarzkopf gibt den verschmitzten 'Professor', Fred Haltiner ist perfekt als 'Palle, die Ratte', den ständig nicht geschäftsfähigen Trinker 'Manni' gibt der unvermeidliche Gerd Baltus und als Krönung der Fünfertruppe setzt es unseren Quotenmeister Werner Pochath, der mit seiner Rolle als Halbdepp 'Mozart' auf und davon geht. Erik Odes Ehefrau Hilde Volk spielt die resolute Kneipenwirtin, die nett anzusehende Ilona Grübel überzeugt als des Wirts hinterblieben Töchterlein.

 

Regisseur Theodor 'im Fußballtor' Grädler ist zum ersten Mal dabei, sollte uns allerdings beim Kommissar noch öfter erfreuen. Ebenso ist Ratten der Grosstadt eine Premiere für Kameramann Manfred Ensinger, der auch zukünftig noch kräftig für Ringelmann-Serien wie Derrick oder Der Alte kubeln durfte und seinem Lehrmeister Kästel in nichts nachtsteht - seine schwenkerische Meisterwerke (meist im Verbund mit Regisseuren wie Dietrich Haugk oder Zbynek Brynych kommen aber erst noch). Musikalisch kommt die Folge - mit Ausnahme der Jarczyk-Titelmelodie - völlig ohne Mucke aus, was den naturalistischen charakter aber noch verstärkt und damit das Hauptaugenmerk des Zusehers auf die Dialoge legt.

 

Man bewegt sich in der Gesamteinschätzung bei Ratten der Großstadt auf gleichwertigem Niveau, besonders die tolle München-Sommer-Atmo mit stimmungsvollen Aufnahmen an der Isar und die Milieu- und Personenzeichnung macht diese Folge sehenswert. Hier ziehe ich die 2 ohne Weiteres.

 

1 Kommentar 22.6.10 11:40, kommentieren

Der Kommissar - Das Messer im Geldschrank (Folge 2 / EA: 17.01.1969)

 

Eigentlich wurde diese Folge als Erste gedreht, zudem noch unter dem Arbeitstitel 'Trag nicht rot, Marion' - man verlegte diese Folge aber nach hinten, weil Kommissar Ode hier erstmal nur aus dem Bett ermittelt; anscheinend hatte ihm seine Suche nach einem Toten Herrn im Regen nasse Füße und damit eine Erkältung eingebracht. Demnach schlägt hier erstmals Harrys große Stunde, der Wepper Fritz muss zu Beginn die Ermittlungen um eine tote Bardame führen - und er macht das ganz behänd. Schramm und Glemnitz stehen ihm natürlich zur Seite ... und die große Aufdecke macht selbstlösend Keller himself.

 

Die Gaststars sind hier mal wieder eine Schau. Die zuckersüße Ann Smyrner, die leichtbekleidet und mit zauberhaftem Dänen-Akzent die genkickte Freundin der Ermodeten spielt, war selten besser. Lukas Amman und Wolfgang Völz hatten wohl bei Graf Yoster gibt sich die Ehre ein paar Tage drehfrei, schauten beim Kommissar vorbei - die beiden sind klasse, jeder auf seine Art; speziell Ammans tolle Diktion ist mal wieder ein Hinhörer. Sehr gut auch Herbert Bötticher als sonnenbebrillter Pianist mit Hang zum Lethargischen, Michael Maien (der es, trotz Beteiligung an Kassenschlagern wie Oswalt Kolle - Das Wunder der Liebe, nie zum Star brachte und ihm Lederhosengenre versandete) rundet das prächtig agierende Ensemble ab.

 

Regie führte hier wiederum Wolfgang Becker, der seinem Ruf als einem der besten Krimiregisseure im deutschen Fernsehen damaliger Zeit mal wieder alle Ehre macht und beste Arbeit abliefert. Die winterliche Atmo, die Rolf Kästel wunderbar auf Zelluloid bannt, lassen die Folge geradewegs in meine 'Wintersammlung' wandern, wo sie es sich neben George Lautners Der Bulle und Freddy Vohrers Der Zinker gemütlich machen kann; speziell der morgendliche Spaziergang von Erik Ode und Ann Smyrner durch die verschneiten Isarauen ist traumhaft gefilmt und gespielt. Die Musik lieferte wiederum Herbert Jarczyk, der mit dem Titel 'Marion' für Jazzorchester und Soloklavier eine signifikante Beschallung für diese Folge schrieb, was mit den dazugehörigen Bildern einer verträumten Ann Smyrner sehr schön harmoniert (so was konnte Regisseur Becker wie kein Zweiter, man bedenke die göttliche Sequenz aus Babeck, als Senta Berger in lasziver Pose den Thomas'schen Gnadenhammer 'Vergiss mich, wenn du kannst' zum Allerbesten gibt). Gottlob sind beide erwähnten Themen auf Single raus und mittlerweile auch zu digitalen Ehren gekommen. 

 

Vom Wert der Atmosphäre (winterliches Exterieur kommt bei mir immer gut weg) und der Darstellerleistungen stellt Das Messer im Geldschrank die erste Folge in den Schatten. Hier ziehe ich locker eine 2+ ... Der Kommissar geht um. 

 

1 Kommentar 19.6.10 21:30, kommentieren